Jahreshauptversammlung 60 plus Sande

 
 

Zentrumsnahe Versorgung und Wohnen im Alter große Themen bei SPD-AG 60 plus Sande. Die Generation 60 plus hat innerhalb des SPD-Ortverbands Sande eine Zweidrittel-Mehrheit. Die Alten wollen Politik und ihr Lebensumfeld weiter aktiv mitgestalten.

 

Das preiswerte und zentrale Wohnen im Alter und die Möglichkeit der Nahversorgung mit den Dingen des täglichen Bedarfs sind große Themen bei den SPD-Seniorengemeinschaften 60 plus. Und die Diskussion darüber prägte auch die Auftaktveranstaltung mit Neuwahlen der Sander SPD-AG 60 plus am Donnerstag im Rathaus.

Mit dem Einkaufen ist es vor allem für ältere Menschen oft ein Dilemma: Auf den Dörfern gibt es kaum noch Geschäfte, das ist auch in den Sander Ortsteilen nicht anders. Die Auswahl dort ist geringer, die Preise sind oft höher. Also nutzen fast alle, die irgendwie mobil sind, auch wegen der schmalen Rente lieber die Supermärkte und Discounter im zentralen Ort. Der kleiner Händler auf dem Dorf hat das Nachsehen und ist allenfalls gut genug für das vergessene Pfund Butter oder die Tüte Milch.

Dass dann darüber geklagt werde, dass in den kleinen Dörfern ein Geschäft nach dem anderen schloss und man auf dem Land nicht mehr einkaufen könne, wollte Renate Mögling (Schortens) vom Kreisvorstand der AG 60 plus nicht unkommentiert lassen: „Da müssen wir uns mit unserem Einkaufsverhalten alle an die eigene Nase fassen.“ Natürlich könne der kleine inhabergeführte Krämerladen auf dem Land nicht mit den Preisen mithalten, die Großkonzerne wie Aldi, Lidl oder Netto böten. „Aber nur vom Verkauf von einem Pfund Salz können die kleinen Läden nicht überleben.“

Wenn man das Angebot vor Ort wolle, müsse man es auch nutzen, so Mögling. Sonst gebe es das eines Tages nicht mehr. „Das tut einem spätestens dann leid, wenn man wirklich nicht mehr mobil ist und nicht mehr ohne Hilfe von Nachbarn oder Kindern aus dem Dorf herauskommt.“

Das Thema drehte die stellvertretende Sander 60 plus-Vorsitzende Ingrid Berthold am Beispiel des inzwischen wieder eingestellten Sander Bürgerbusses weiter: Weil es in den kleinen Ortsteilen kaum noch Angebote gibt, Ärzte, Apotheken und Einkaufsmöglichkeiten vor allem zentral in Sande angesiedelt seien, sollte der Bürgerbus für mehr Mobilität vor allem unter den älteren Mitbürgern sorgen. „Dafür haben sich viele Ehrenamtliche ein Bein ausgerissen, haben Fahrpläne ausgearbeitet und sich als Fahrer ausbilden lassen. Keiner nutzte das Angebot.“ Wie berichtet, wurde das Projekt im vergangenen Jahr nach einer einjährigen Testphase wieder beendet.

Auch die Themen Wohnen im Alter und Pflege im Alter wurden diskutiert. „Irgendwann ist das eigene Haus zu groß, doch aus einem Verkaufserlös noch zehn oder 15 Jahre lang eine Miete für eine zentrumsnahe Seniorenwohnung zu finanzieren und noch etwas für die Pflege übrig zu behalten, wird schwierig“, sagte Mögling.

Bezahlbarer Wohnraum

Achim Rutz, der als Gast vom SPD-Ortsverein Sande dabei war, bezog sich auf eine Untersuchung einer Wohnungsbaugesellschaft und stellte fest: „Solche Wohnungen, seniorengerecht und zentral gelegen, sind in Sande kaum zu finanzieren.“ 5,50 bis 6 Euro pro Quadratmeter seien in Sande heute üblich. Durch die neuen Energieeinsparverordnungen und weitere Auflagen für Neubauten müssten mindestens 7,50 Euro pro Quadratmeter verlangt werden. „Das können sich viele nicht leisten“, so Rutz. Die Bauherren wollten schließlich auch nicht auf ihre Rendite verzichten.

Bezahlbarer Wohnraum sei eine Aufgabe, die auch nicht eine kleine Kommune wie Sande lösen könne. Da müssten Programme zum sozialen Wohnungsbau von Bund und Land helfen. Einiges sei ja auch bereits angeschoben.

Quelle Bild und Text: NWZonline vom 08.01.2016